Der Traum vom Eigenheim beginnt oft mit einer wichtigen Frage: Wie viel Eigenkapital benötige ich eigentlich für den Hauskauf in Österreich? Viele Mythen ranken sich um dieses Thema, von der Vollfinanzierung ohne Eigenmittel bis hin zu unrealistisch hohen Anforderungen. Doch was ist wirklich nötig, um eine solide Immobilienfinanzierung auf die Beine zu stellen?
Dieser Ratgeber räumt mit den Mythen auf und gibt dir klare Antworten. Wir erklären, warum Eigenkapital so entscheidend ist, wie viel du realistischerweise ansparen solltest, was alles dazu zählt und welche Rolle es für deine Kreditkonditionen spielt. So schaffst du eine fundierte Basis für deine Finanzplanung.
Das Wichtigste in Kürze:
- Plane mindestens 20 % der Gesamtkosten (Kaufpreis + Nebenkosten) als Eigenkapital ein.
- Die Kaufnebenkosten (ca. 10 %) müssen in der Regel immer aus Eigenmitteln bezahlt werden.
- Mehr Eigenkapital bedeutet bessere Zinskonditionen und ein geringeres Finanzierungsrisiko.
- Auch private Darlehen, Grundstücke oder Eigenleistungen können als Eigenkapital zählen.
1. Warum ist Eigenkapital so wichtig für die Bank?
Für Banken ist das Eigenkapital ein entscheidendes Signal für deine finanzielle Stabilität und dein Engagement. Es zeigt, dass du in der Lage bist zu sparen und bereit bist, eigenes Geld in das Projekt zu investieren. Je mehr Eigenkapital du einbringst, desto geringer ist das Risiko für die Bank.
Dieses geringere Risiko belohnt die Bank mit besseren Konditionen, insbesondere mit einem niedrigeren Zinssatz für deinen Kredit. Außerdem deckt das Eigenkapital die Kaufnebenkosten ab, die Banken in Österreich normalerweise nicht mitfinanzieren.
2. Die magische Grenze: Wie viel Eigenkapital brauche ich?
Als absolute Untergrenze gilt: Du solltest zumindest die Kaufnebenkosten aus eigener Tasche bezahlen können. Diese betragen in Österreich rund 10 % des Kaufpreises.
Um jedoch gute Kreditkonditionen zu erhalten und die Finanzierung solide aufzustellen, empfehlen Expert:innen und Banken dringend, mindestens 20 % der Gesamtkosten (Kaufpreis + Nebenkosten) als Eigenkapital einzubringen.
Beispiel: Bei einem Kaufpreis von € 400.000 betragen die Nebenkosten ca. € 40.000. Die Gesamtkosten liegen also bei € 440.000. Ein Eigenkapitalanteil von 20 % entspräche hier € 88.000.
3. Was zählt alles zum Eigenkapital? Mehr als nur das Sparbuch!
Wenn du an Eigenkapital denkst, kommt dir wahrscheinlich zuerst das Geld auf deinem Sparkonto in den Sinn. Doch es gibt noch weitere Quellen, die Banken oft anerkennen:
- Bargeld & Sparguthaben: Der klassische Weg.
- Bausparverträge: Angespartes Guthaben oder ein zugeteiltes Bauspardarlehen.
- Wertpapiere & Fonds: Aktien oder Fondsanteile, die du verkaufen kannst (Achtung: Kursschwankungen!).
- Lebensversicherungen: Der Rückkaufswert einer kapitalbildenden Lebensversicherung.
- Private Darlehen: Geld, das dir Familie oder Freunde leihen (muss transparent kommuniziert werden).
- Schenkungen oder Erbschaften: Bereits erhaltene oder fest zugesagte Beträge.
- Eigenleistungen (“Muskelhypothek”): Wenn du handwerklich begabt bist und Arbeiten (z.B. Malerarbeiten, Bodenlegen) selbst übernimmst, können Banken den Wert dieser Arbeit als Eigenkapital anrechnen (Nachweise erforderlich!).
- Lastenfreies Grundstück: Wenn du bereits ein Grundstück ohne Schulden besitzt, kann dessen Wert als Eigenkapital dienen.
4. Die Vorteile von mehr Eigenkapital
Es lohnt sich, möglichst viel Eigenkapital anzusparen. Die Vorteile sind vielfältig:
- Günstigere Zinsen: Das geringere Risiko für die Bank wird mit einem niedrigeren Zinssatz belohnt.
- Geringere Kreditsumme: Du musst weniger Geld aufnehmen und bist schneller schuldenfrei.
- Niedrigere Monatsrate: Eine geringere Kreditsumme führt zu einer niedrigeren Belastung im Alltag.
- Höhere Finanzierungschancen: Mit ausreichend Eigenkapital steigen deine Chancen auf eine Kreditzusage deutlich.
Tipp
Fang früh an zu sparen: Regelmäßige Rücklagen und ein Bausparvertrag helfen beim Eigenkapitalaufbau und sichern dir ein günstiges Darlehen. Auch kleine Beträge summieren sich.
Fazit: Ein solides Fundament für deinen Traum
Ausreichend Eigenkapital ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen und stabilen Immobilienfinanzierung in Österreich. Es reduziert nicht nur dein persönliches Risiko, sondern öffnet auch die Tür zu besseren Kreditkonditionen. Auch wenn das Ansparen Disziplin erfordert – ein solides finanzielles Fundament ist die beste Basis, um den Traum vom Eigenheim sorgenfrei verwirklichen zu können.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist eine 100-%-Finanzierung (ohne Eigenkapital) möglich?
Eine Finanzierung komplett ohne Eigenkapital ist in Österreich extrem selten und nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen (exzellente Bonität, hohe Sicherheiten) denkbar. Die Kaufnebenkosten musst du fast immer selbst tragen.
Wie weise ich mein Eigenkapital nach?
Die Bank wird Nachweise wie aktuelle Kontoauszüge, Depotauszüge, Bestätigungen über Bausparguthaben oder Schenkungsverträge verlangen.
Sollte ich mein gesamtes Erspartes als Eigenkapital einsetzen?
Nein, behalte immer einen Notgroschen für unvorhergesehene Ausgaben (z.B. Autoreparatur, Jobverlust) auf einem separaten Konto. Setze nur den Teil deines Ersparten als Eigenkapital ein, den du nicht kurzfristig benötigst.
