Das eigene Auto vor der Tür – für viele lange ein Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit. Doch gerade in Städten wird der Autobesitz zunehmend zur Belastung: Parkplatzsuche, hohe Fixkosten, Staus und Umweltauflagen trüben die Freude. Flexible Mobilitätskonzepte wie Carsharing und Auto-Abos bieten attraktive Alternativen.
Doch wann lohnt sich der Verzicht auf das eigene Fahrzeug wirklich? Dieser Ratgeber stellt die Kosten eines privaten Pkws denen von Carsharing und Auto-Abo gegenüber. Wir analysieren, für welche Nutzertypen und Lebenssituationen diese Modelle finanziell und praktisch sinnvoll sind und wie sie zu einem flexibleren und oft günstigeren Mobilitätsalltag beitragen können.
Das Wichtigste in Kürze:
- Ein eigenes Auto verursacht hohe Fixkosten (Versicherung, Steuer, Wertverlust), auch wenn es nur steht.
- Carsharing ist ideal für gelegentliche Fahrten in der Stadt, bezahlt wird pro Minute/Stunde/Kilometer.
- Ein Auto-Abo bietet mehr Flexibilität als Leasing für regelmäßigere Nutzung über Monate, inklusive aller Nebenkosten.
- Die Entscheidung hängt stark von deiner jährlichen Fahrleistung und deinem Wohnort ab.
1. Die wahren Kosten des eigenen Autos
Viele Autobesitzer:innen unterschätzen die tatsächlichen Kosten ihres Fahrzeugs. Neben den offensichtlichen Ausgaben für Sprit oder Strom fallen erhebliche Fixkosten an:
- Wertverlust: Der größte Posten, besonders bei Neuwagen.
- Versicherung: Haftpflicht und Kasko.
- Steuern & Abgaben: Motorbezogene Versicherungssteuer (bei Verbrennern).
- Service & Reparaturen: Regelmäßige Wartung, Pickerl (§57a-Überprüfung), unvorhergesehene Reparaturen.
- Reifen: Sommer- und Winterreifen inklusive Wechsel und Lagerung.
- Parken: Kosten für Parkpickerl, Garage oder Parkgebühren.
- Finanzierungskosten: Zinsen, falls das Auto über einen Kredit finanziert wird.
Selbst ein Kleinwagen verursacht so leicht monatliche Gesamtkosten von € 300,- bis € 500,- oder mehr – unabhängig davon, wie viel du fährst.
2. Carsharing: Flexibel für Kurzstrecken
Carsharing-Anbieter (wie ShareNow, Eloop in Wien) stellen eine Flotte von Fahrzeugen zur Verfügung, die du per App orten, buchen und für kurze Zeiträume nutzen kannst. Abgerechnet wird meist pro Minute, Stunde oder Kilometer.
Vorteile:
- Sehr flexibel für spontane Fahrten (Einkauf, kurzer Ausflug).
- Keine Fixkosten, du zahlst nur für die tatsächliche Nutzung.
- Parken in Kurzparkzonen ist oft inkludiert.
- Versicherung, Service, Tanken/Laden übernimmt der Anbieter.
Nachteile:
- Verfügbarkeit nicht immer garantiert, besonders zu Stoßzeiten.
- Begrenztes Geschäftsgebiet (meist nur in Städten).
- Bei längeren Fahrten oder Standzeiten schnell teuer.
Ideal für: Stadtbewohner:innen, die nur selten ein Auto brauchen und kurze bis mittlere Strecken zurücklegen.
3. Auto-Abo: Das Rundum-Sorglos-Paket für Monate
Ein Auto-Abo ist eine neuere Alternative zu Kauf oder Leasing. Du mietest ein Auto für einen fixen monatlichen Betrag über einen bestimmten Zeitraum (oft 1-12 Monate). Im Preis sind fast alle Kosten enthalten.
Vorteile:
- Maximale Kostenkontrolle: Ein Preis für alles (außer Tanken/Laden). Versicherung, Steuer, Service, Reifen sind inkludiert.
- Hohe Flexibilität: Kürzere Laufzeiten als beim Leasing, einfacher Fahrzeugwechsel möglich.
- Kein Wertverlustrisiko.
- Große Auswahl an aktuellen Modellen.
Nachteile:
- Monatliche Kosten oft höher als bei klassischem Leasing (dafür aber inklusiver).
- Kilometerbegrenzung pro Monat ist üblich.
Ideal für: Personen, die regelmäßig ein Auto benötigen, sich aber nicht langfristig binden wollen, Wert auf neue Modelle legen und ein transparentes Kostenmodell schätzen.
4. Wann lohnt sich der Verzicht? Der Kosten-Check
Die entscheidende Frage ist deine **jährliche Fahrleistung**.
- Weniger als 5.000 km pro Jahr: Hier ist Carsharing fast immer die günstigste Option. Die Fixkosten eines eigenen Autos sind für so wenige Fahrten zu hoch.
- Zwischen 5.000 und 15.000 km pro Jahr: In diesem Bereich kann ein Auto-Abo oder auch Carsharing (bei primär kurzen Strecken) günstiger sein als ein eigenes Auto. Hier lohnt sich ein genauer Vergleich deiner individuellen Kosten.
- Mehr als 15.000 km pro Jahr: Bei hoher Fahrleistung ist ein eigenes Auto (Kauf oder Leasing) oft immer noch die wirtschaftlichste Lösung, da die kilometerabhängigen Kosten bei Carsharing oder die Raten für Auto-Abos mit hohen Kilometerpaketen steigen.
Berücksichtige auch nicht-monetäre Faktoren: Wie wichtig ist dir die ständige Verfügbarkeit? Wie gut ist der öffentliche Nahverkehr an deinem Wohnort?
Tipp
Kombiniere Mobilitätsformen: Nutze Rad oder Öffis im Alltag und Carsharing bei Bedarf – so deckst du flexibel deine Wege ab und sparst Kosten.
Fazit: Freiheit neu definiert
Das eigene Auto ist nicht mehr die einzige Antwort auf individuelle Mobilitätsbedürfnisse. Gerade in urbanen Gebieten bieten Carsharing und Auto-Abos flexible und oft kostengünstigere Alternativen, die dich von den Belastungen des Autobesitzes befreien.
Rechne ehrlich nach, wie viel dich dein Auto wirklich kostet und wie oft du es tatsächlich nutzt. Vielleicht entdeckst du, dass ein Leben ohne eigenes Auto nicht Verzicht, sondern ein Gewinn an Freiheit und finanzieller Flexibilität bedeutet.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Brauche ich eine eigene Versicherung für Carsharing?
Nein, die Fahrzeuge sind über den Anbieter haftpflicht- und kaskoversichert. Es gibt jedoch meist einen Selbstbehalt im Schadensfall, den du oft gegen eine Zusatzgebühr reduzieren kannst.
Kann ich mit einem Carsharing-Auto ins Ausland fahren?
Das hängt vom Anbieter und dem jeweiligen Tarif ab. Oft ist die Nutzung auf das Inland beschränkt oder es fallen zusätzliche Gebühren für Auslandsfahrten an. Prüfe die AGBs genau.
Was ist der Unterschied zwischen Auto-Abo und Leasing?
Ein Auto-Abo hat meist kürzere Laufzeiten (Monate statt Jahre), beinhaltet fast alle Nebenkosten (Versicherung, Service etc.) im Preis und bietet mehr Flexibilität beim Fahrzeugwechsel. Leasing hat oft niedrigere Monatsraten, dafür musst du dich aber selbst um Versicherung, Service etc. kümmern und bist länger gebunden.
