Der Bausparvertrag gehört in Österreich zu den bekanntesten und beliebtesten Sparformen, wenn es um den zukünftigen Erwerb von Wohneigentum geht. Er verspricht staatliche Prämien, sichere Zinsen und die Option auf ein günstiges Darlehen. Doch lohnt sich Bausparen im heutigen Zinsumfeld noch?

    Dieser Ratgeber gibt dir einen objektiven Überblick über das System Bausparen in Österreich. Wir erklären, wie es funktioniert, beleuchten die aktuellen Vorteile und Nachteile und helfen dir bei der Entscheidung, ob ein Bausparvertrag die richtige Wahl für deine Spar- und Finanzierungsziele ist.

    Das Wichtigste in Kürze:

    • Bausparen kombiniert eine Sparphase mit staatlicher Prämie und eine optionale Darlehensphase.
    • Die staatliche Prämie (derzeit 1,5 %) ist ein attraktiver Bonus auf die Einzahlungen.
    • Der größte Vorteil ist die Option auf ein Bauspardarlehen mit oft günstigen und planbaren Zinsen.
    • Die Rendite in der Sparphase ist im Vergleich zu anderen Anlageformen oft relativ niedrig.

    1. Wie funktioniert ein Bausparvertrag? Das Zwei-Phasen-Modell

    Ein Bausparvertrag besteht grundsätzlich aus zwei Phasen:

    Die Sparphase

    Du zahlst regelmäßig (meist monatlich) einen vereinbarten Betrag über eine festgelegte Laufzeit (oft 6 Jahre) ein. Auf deine Einzahlungen erhältst du Zinsen von der Bausparkasse und zusätzlich eine staatliche Bausparprämie. Diese Prämie wird jährlich angepasst und beträgt derzeit 1,5 % auf Einzahlungen von maximal € 1.200 pro Person und Jahr (also bis zu € 18 Prämie jährlich).

    Die Darlehensphase (optional)

    Nach Ablauf der Sparphase und Erreichen eines bestimmten Mindestsparguthabens (meist 40-50 % der Vertragssumme) wird der Vertrag “zuteilungsreif”. Du hast nun die Option, ein Bauspardarlehen in Anspruch zu nehmen. Die Höhe des Darlehens ergibt sich aus der Differenz zwischen der Vertragssumme und deinem angesparten Guthaben. Der Zinssatz für dieses Darlehen wird oft schon bei Vertragsabschluss festgelegt oder bewegt sich in einem definierten Rahmen.

    2. Die Vorteile des Bausparens

    Trotz niedriger Sparzinsen hat das Bausparen weiterhin attraktive Seiten:

    • Staatliche Prämie: Der jährliche Zuschuss vom Staat verbessert die Rendite in der Sparphase, besonders im Vergleich zu klassischen Sparbüchern.
    • Sicherheit: Dein angespartes Guthaben ist durch die Einlagensicherung geschützt.
    • Planbare Darlehenszinsen: Die Option auf ein Bauspardarlehen bietet Schutz vor steigenden Kreditzinsen in der Zukunft. Der Zinssatz ist oft über die gesamte Laufzeit fix oder hat eine klare Ober- und Untergrenze.
    • Zweckbindung für Wohnen: Das Darlehen muss für wohnwirtschaftliche Zwecke verwendet werden (Kauf, Bau, Renovierung, Umschuldung). Das fördert das gezielte Sparen für den Wohntraum.
    • Disziplinierendes Sparen: Die regelmäßigen Einzahlungen helfen dabei, konsequent Kapital aufzubauen.

    3. Die Nachteile des Bausparens

    Man sollte aber auch die Nachteile und Einschränkungen kennen:

    • Niedrige Sparzinsen: Die Verzinsung des Guthabens in der Sparphase ist oft sehr niedrig und liegt meist unter der Inflationsrate.
    • Geringe Flexibilität: Während der Laufzeit kommst du nur schwer oder mit Nachteilen (Verlust der Prämie, Kündigungsgebühren) an dein Geld.
    • Begrenzte Darlehenshöhe: Das Bauspardarlehen reicht oft nicht aus, um eine Immobilie komplett zu finanzieren. Es dient meist als Baustein in einer Gesamtfinanzierung.
    • Abschlussgebühren: Für den Vertragsabschluss fällt eine Gebühr an.

    4. Für wen lohnt sich Bausparen heute noch?

    Bausparen ist vor allem dann eine Überlegung wert, wenn:

    • Du mittel- bis langfristig (in 6+ Jahren) planst, eine Immobilie zu kaufen, zu bauen oder zu renovieren und dir dafür günstige Darlehenszinsen sichern möchtest.
    • Du eine sehr sichere Sparform mit staatlicher Förderung suchst und weniger Wert auf hohe Renditen legst.
    • Du einen Anstoß brauchst, um diszipliniert für deinen Wohntraum zu sparen.

    Wer hingegen kurzfristig Geld anlegen möchte oder eine höhere Rendite sucht, findet mit Tagesgeld, Festgeld oder Investmentfonds möglicherweise passendere Alternativen.

    Tipp

    Vergleiche Bauspar-Angebote genau – nicht nur Prämien, sondern auch Zinsen, Gebühren, Darlehenskonditionen und Vertragsflexibilität.

    Fazit: Ein Baustein mit Stärken und Schwächen

    Das Bausparen ist auch im aktuellen Zinsumfeld ein Produkt mit relevanten Vorteilen, insbesondere durch die staatliche Prämie und die Option auf ein planbares, oft günstiges Darlehen für wohnwirtschaftliche Zwecke. Es ist eine sehr sichere, wenn auch renditeschwache Sparform.

    Ob es sich für dich persönlich lohnt, hängt stark von deinen Zielen und deinem Zeithorizont ab. Als langfristiger Baustein zur Sicherung günstiger Finanzierungskonditionen für den späteren Wohntraum kann der Bausparvertrag aber nach wie vor eine sinnvolle Ergänzung deiner Finanzplanung sein.

    Häufig gestellte Fragen (FAQ)

    Kann ich mehrere Bausparverträge gleichzeitig haben?

    Ja, du kannst mehrere Verträge abschließen. Die staatliche Prämie erhältst du jedoch nur einmal pro Person und Jahr auf Einzahlungen von maximal € 1.200.

    Was passiert, wenn ich das Bauspardarlehen nicht in Anspruch nehme?

    Das ist kein Problem. Nach der Zuteilung kannst du dir dein angespartes Guthaben inklusive Zinsen und staatlicher Prämien einfach auszahlen lassen und frei darüber verfügen.

    Muss ich das Darlehen für Immobilien verwenden?

    Ja, Bauspardarlehen sind in Österreich zweckgebunden und müssen für wohnwirtschaftliche Maßnahmen eingesetzt werden. Dazu zählen Kauf, Bau, Sanierung, Renovierung oder auch die Finanzierung von Ausbildungs- oder Pflegekosten im Zusammenhang mit Wohnen.