Einmal im Jahr flattert sie ins Haus und sorgt oft für Stirnrunzeln: die Stromrechnung. Sie listet eine Vielzahl von Posten, Abkürzungen und Beträgen auf, deren Bedeutung nicht immer auf den ersten Blick klar ist. Doch nur wer seine Rechnung versteht, kann seinen Verbrauch kontrollieren und mögliche Einsparpotenziale erkennen.
Dieser Ratgeber bringt Licht ins Dunkel deiner Stromabrechnung. Wir erklären dir Schritt für Schritt die wichtigsten Bestandteile einer typisch österreichischen Stromrechnung – von den Netzentgelten über die reinen Energiekosten bis hin zu Steuern und Abgaben. So gewinnst du volle Transparenz über deine Ausgaben.
Das Wichtigste in Kürze:
- Deine Stromrechnung besteht aus drei Hauptblöcken: Energiekosten, Netzentgelte sowie Steuern & Abgaben.
- Nur die Energiekosten kannst du durch einen Anbieterwechsel direkt beeinflussen.
- Die Netzentgelte sind reguliert und für alle Kund:innen in einer Region gleich.
- Dein Jahresverbrauch in kWh ist die entscheidende Kennzahl, um Sparpotenziale zu erkennen.
1. Der Aufbau deiner Stromrechnung
Auch wenn das Layout je nach Anbieter leicht variiert, sind die grundlegenden Bestandteile einer Jahresabrechnung meist gleich:
- Absender & Empfängerdaten: Deine Kundennummer, Zählpunktnummer und die Adresse der Verbrauchsstelle.
- Abrechnungszeitraum: Der Zeitraum, für den die Rechnung gilt (meist 12 Monate).
- Verbrauchsübersicht: Dein Stromverbrauch im Abrechnungszeitraum in Kilowattstunden (kWh), oft im Vergleich zum Vorjahr. Hier siehst du den abgelesenen oder geschätzten Zählerstand.
- Kostenaufstellung: Die detaillierte Berechnung der einzelnen Kostenblöcke.
- Guthaben/Nachzahlung: Der Saldo aus den bereits bezahlten Teilbeträgen und den tatsächlichen Kosten.
- Neue Teilbeträge: Die Vorschreibung für die monatlichen Abschlagszahlungen im nächsten Jahr.
2. Kostenblock 1: Energiekosten – Das zahlst du an deinen Anbieter
Dieser Teil ist der Preis für den Strom, den du tatsächlich verbraucht hast. Er wird von deinem Stromanbieter festgelegt und ist der einzige Posten, den du durch einen Anbieterwechsel beeinflussen kannst.
Er setzt sich meist zusammen aus:
- Arbeitspreis (Cent/kWh): Der Preis pro verbrauchter Kilowattstunde Strom.
- Grundpreis (€/Monat oder €/Jahr): Eine fixe Pauschale, unabhängig vom Verbrauch.
Hier lohnt sich ein Vergleich verschiedener Anbieter und Tarife (z.B. Fixpreis vs. variabler Preis).
3. Kostenblock 2: Netzentgelte – Die Gebühr für die Stromleitung
Dieser Teil deckt die Kosten für den Transport des Stroms über das öffentliche Netz bis zu deinem Hausanschluss. Die Höhe der Netzentgelte ist staatlich reguliert und für alle Kund:innen in einer bestimmten Netzregion gleich, unabhängig vom Stromanbieter.
Die Netzentgelte bestehen aus mehreren Komponenten:
- Netznutzungsentgelt (Arbeitspreis & Grundpreis): Kosten für die Nutzung des Stromnetzes.
- Netzverlustentgelt: Deckt den Strom ab, der beim Transport im Netz verloren geht.
- Messeinrichtung (Messentgelt): Die Gebühr für deinen Stromzähler.
4. Kostenblock 3: Steuern und Abgaben – Der staatliche Anteil
Ein erheblicher Teil deiner Stromrechnung fließt an den Staat.
- Umsatzsteuer (20 %): Wird auf alle oben genannten Kosten (Energie, Netz) aufgeschlagen.
- Elektrizitätsabgabe: Eine Bundesabgabe auf den Stromverbrauch.
- Ökostromförderbeiträge: Finanzieren den Ausbau erneuerbarer Energien (z.B. Ökostrompauschale, Ökostromförderbeitrag). Diese können je nach Bundesland leicht variieren.
Tipp
Analysiere deinen Jahresverbrauch in kWh: Vergleiche ihn mit Vorjahr und Durchschnittswerten – so findest du Ursachen für Mehrverbrauch und deckst Sparpotenzial auf.
Fazit: Transparenz schafft Kontrolle
Auch wenn die Stromrechnung auf den ersten Blick komplex erscheint, lohnt sich ein genauer Blick. Wenn du die einzelnen Posten verstehst, weißt du genau, wofür du bezahlst. Du erkennst, welchen Anteil du durch dein Verbrauchsverhalten und einen Anbieterwechsel beeinflussen kannst und welche Kosten fix sind.
Nutze deine Jahresabrechnung als Werkzeug, um deinen Verbrauch zu analysieren und bewusste Entscheidungen für die Zukunft zu treffen – für deinen Geldbeutel und die Umwelt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist eine Zählpunktnummer?
Die Zählpunktnummer ist eine eindeutige, 33-stellige Nummer, die deinen Stromanschluss (und Zähler) identifiziert. Du benötigst sie zum Beispiel bei einem Anbieterwechsel.
Was bedeutet “geschätzter Zählerstand”?
Wenn dein Zählerstand nicht rechtzeitig abgelesen wurde (z.B. durch dich oder den Netzbetreiber), wird dein Verbrauch für die Rechnung anhand von Vorjahreswerten oder Durchschnittswerten geschätzt. Bei der nächsten Ablesung wird dies dann korrigiert.
Wie kann ich meinen Stromanbieter wechseln?
Der Wechsel ist einfach und kostenlos. Du kannst Tarifvergleichsportale im Internet nutzen (z.B. den Tarifkalkulator der E-Control), einen neuen Anbieter auswählen und den Wechsel online beauftragen. Der neue Anbieter kümmert sich um die Kündigung beim alten Versorger.
